Es gibt Städte, in denen das Scheitern als Makel gilt. Berlin gehört nicht dazu. Hier weiß man, dass Projekte sich verlaufen, Pläne kippen, Menschen verschwinden, Räume verloren gehen und Dinge länger dauern als gedacht. Aber man weiß auch, dass gerade darin oft der Anfang von etwas Neuem liegt.

Der Berliner Instinkt ist deshalb selten Rückzug. Er ist eher: noch einmal versuchen, noch einmal drehen, noch einmal anders denken. Nicht, weil hier alle besonders diszipliniert wären, sondern weil die Stadt über Jahrzehnte gelernt hat, mit Unfertigkeit zu leben. Aussichtslos ist in Berlin kein Endzustand, sondern oft nur die Lagebeschreibung vor dem nächsten Versuch.

Diese Energie ist mehr als Durchhalteparole. Sie ist ein kulturelles Muster. Wenn andere längst aufgeben, wird Berlin oft erst interessant. Die Stadt hat eine besondere Nähe zu Visionen, die erst zu groß, zu schräg oder zu früh wirken — bis sie irgendwann doch Realität werden. Vielleicht ist das der Grund, warum man hier so viele Menschen trifft, die bereits zweimal gescheitert sind und trotzdem klingen, als hätten sie gerade erst angefangen.

Beitrag teilen
Link wurde kopiert.