Berlin hat eine besondere Beziehung zum Chaos. Nicht, weil hier niemand Ordnung schätzt, sondern weil die Stadt über Generationen gelernt hat, mit Brüchen, Unfertigkeit und Überforderung zu leben. Krisen wirken anders, wenn man bereits mehrere historische, politische und wirtschaftliche Zumutungen im kollektiven Gedächtnis trägt.

Deshalb reagiert Berlin auf Erschütterungen oft nicht nur mit Angst, sondern auch mit einem eigenartigen Ruhepuls. Die Stadt kennt den Ausnahmezustand besser als andere. Und aus dieser Erfahrung entsteht eine Form von Resilienz, die weniger geschniegelt daherkommt als in Managementseminaren, aber im Zweifel tragfähiger ist.

Gerade jetzt liegt darin eine Aufgabe. Wenn die Welt unübersichtlicher wird, braucht es Orte, die zeigen können, wie man aus Unordnung Zukunft baut. Berlin könnte so ein Ort sein — nicht trotz seines Chaos, sondern wegen der Fähigkeiten, die daraus entstanden sind. Die Stadt hat gelernt, dass Zusammenbrüche nicht nur Ende, sondern manchmal auch Rohmaterial für Neues sind.

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